Feier des 100. Geburtstages von Prof. Dr.-Ing. Walter Wolman am 20. Januar 2001

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Prof. Wolman im Kreis von Kollegen und ehemaligen Doktoranden

Prof. Wolman (Mitte) mit Fr. Hanne, Prof. Speidel und Prof. Kaiser (von links)

Prof. Wolman mit Prof. Kaiser und Prof. Zschunke (von links)

Prof. Wolman mit dem Bürgermeister des Orts Buchenbach bei Freiburg

Prof. Kaiser, Fr. Dr. med. Wolman, Prof. Wolman (von links)

 

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Prof. Walter Wolman 100 Jahre

Am 20. Januar 2001 vollendete Prof. Dr.-Ing. Walter Wolman bei relativ guter Gesundheit sein 100. Lebensjahr. Aus diesem Anlass waren der Rektor der Universität Stuttgart, Prof. Dr.-Ing. habil. Dieter Fritsch, viele ehemalige Kollegen, Wissenschaftliche Assistenten und Angehörige nach Buchenbach bei Freiburg am Rande des Schwarzwalds gekommen. In der Pflegeabteilung der dortigen Friedrich-Husemann-Klinik wird Prof. Wolman von seiner älteren Tochter, Frau Dr. med. Wolman, gepflegt. In einer sehr gelungenen Feier überbrachte Prof. Fritsch dem ältesten Kollegen unserer Universität die herzlichsten Glückwünsche. Besonders spannend waren für den Jubilar und die Zuhörer die Ausführungen des Rektors zur Veränderung der Hochschulstrukturen vom 19. Jahrhundert bis heute. Danach überbrachte Prof. Speidel die Glückwünsche der Fakultät Elektrotechnik und Informationstechnik sowie des VDE und der ITG. In seiner Laudatio zeichnete er den beruflichen Weg des Jubilars in gebotener Kürze auf. Er führte u.a. aus:

"Es begann vor 100 Jahren im Jahr 1901. Dem Italiener Marconi gelang die erste Telegrafie-Übertragung über den Atlantik, der erste Nobelpreis wurde verliehen -an den Physiker Röntgen- und ein Herr Weisskopf bringt in den USA zum ersten Mal ein Motorflugzeug in die Luft, das 12 Meter hoch und 900 Meter weit fliegt, bis es herunterfällt. In diesem Jahr wurde unser Jubilar in Wuppertal-Elberfeld als Sohn eines Chemikers geboren. Und mit den drei genannten Themen kommt Prof. Wolman in seinem Leben in Berührung.

Von 1921 –25 studierten Sie, lieber Herr Wolman, Elektrotechnik in Stuttgart und Darmstadt. Zunächst galt Ihr Interesse der Starkstromtechnik. Nach Ihrer Assistententätigkeit bei Prof. Rogowski in Aachen promovierten Sie dort 1927. Es sah auch ganz so aus, als ob die Nachrichten- und Informationstechnik Sie wenig reizen könne. Als Sie dann 1927 in das Zentrallabor der Fa. Siemens in Berlin eintraten, dem Sie 11 Jahre angehörten, haben Sie Ihre Begeisterung für die interessanten Aufgaben der Informationstechnik entdeckt, die Sie nicht mehr los lies. Bei Siemens waren Sie zunächst im Labor von Richard Feldtkeller tätig, der nur 6 Tage jünger war als Sie, und der später ebenfalls als Professor an unsere Universität kam. Sie übernahmen nach kurzer Zeit die Leitung eines Labors, und 1931 kam die Verantwortung für weitere Labors hinzu. Ihr breiter Aufgabenbereich reichte von den Musikverstärkern über die Telegrafie bis zu den Stromversorgungsgeräten.

1938, gerade 37 Jahre alt, kam der Ruf an die TH Dresden auf den Lehrstuhl für Fernmeldetechnik und technische Akustik als Kollege von Prof. Barkhausen, einem Pionier der Elektronenröhre. Barkhausen musste sehr um Sie werben, denn Sie haben sich nie in Positionen gedrängt. Der beginnende 2. Weltkrieg hat für Sie und Ihr Institut in Dresden zusätzliche Belastungen gebracht. In Peenemünde war Wernher von Braun mit der Entwicklung der Raketen V1 und V2 befasst. Er suchte ein qualifiziertes Hochschulinstitut, das die Fernsteuerung entwickeln sollte. Er hat sich an Sie gewandt, und so war Ihr Institut von 1939 – 45 mit diesen Aufgaben befasst. Sie entwickelten ein Verfahren zur Messung der Geschwindigkeit von Flugkörpern nach dem Dopplerprinzip, wohl das erste dieser Art. Sie haben meinem verehrten Vorgänger, Herrn Prof. Kaiser, einmal erzählt, dass Sie Herrn von Braun die Zusage gegeben hätten, weil Sie annehmen mussten, dass die Entwicklung des Verfahrens wahrscheinlich länger dauern würde als der Krieg. Einer der Pioniere des Farbfernsehens, Prof. Bruch, der die Raketenversuche in Peenemünde mit Hilfe der Fernsehtechnik verfolgte, hat in der Funkschau ein Foto mit einer hohen Rakete veröffentlicht. Prof. Kaiser hat diesen Artikel ausgegraben. Auf großen Leitern sind vielbeschäftigte Techniker zu sehen, und es wird vermerkt: "...oder war es wieder einmal Prof. Wolman, den man zur Spitze (der Rakete) hochklettern sah, um eine Fernmesseinrichtung auszutauschen".

Nach dem 2. Weltkrieg lehrten Sie dann an der TH Stuttgart ab dem Wintersemester 1946/47. Prof. Kaiser hat nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft ein Jahr später sein Studium der Elektrotechnik an der TH Stuttgart aufgenommen. Er hat mir erzählt, wie es zur ersten Begegnung mit Ihnen kam. Er sei an einem Winterabend 1947 in einem der nicht zerstörten Räume des Elektrotechnischen Instituts in der Stuttgarter Stadtmitte mit Wiederaufbauarbeiten beschäftigt gewesen. Es sei die Tür aufgegangen und ein kleiner, freundlicher Herr mit einem Rucksack auf dem Rücken sei herein gekommen und habe mit strahlendem Lächeln verkündet, er sei Herr Wolman.

Im Jahr 1948 übernahmen Sie dann den neugeschaffenen Lehrstuhl und das Institut für Fernmeldeanlagen, das Sie bis zu Ihrer Emeritierung im Herbst 1967 leiteten. In diesen 20 Jahren Ihrer so erfolgreichen Lehr- und Forschungstätigkeit an der Universität Stuttgart haben Sie wesentliche Beiträge zur Sprach- und Impulsübertragung sowie zur gesamten Nachrichtentechnik geleistet. Die Liste Ihrer erfolgreichen Tätigkeiten außerhalb von Forschung und Lehre ist ebenfalls sehr lang: So waren Sie von 1957-58 Dekan der Fakultät, Vorstandsmitglied der Informationstechnischen Gesellschaft (ITG) des VDE von 1959-60, Vorsitzender des Fakultätentags von 1963-1964, Beirat der Deutschen Gesellschaft für Ortung und Navigation, Gutachter und Vorsitzender der Kommission für Rechenanlagen der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Ihre Schüler schätzten Ihre besondere Art, schwierige Zusammenhänge auf den Punkt zu bringen und einfach darzustellen. Während Ihrer Tätigkeit als Hochschullehrer haben Sie 26 Dissertationen betreut. Viele ehemalige Doktoranden sind heute gekommen: Prof. Knoll, Konstanz; Dr. Mauch, Korntal; Dr. Rupp, Stuttgart; Prof. Thomassen, Konstanz; Dr. Uhl, Frankenthal und Prof. Zschunke, Darmstadt. Auch Prof. Lotze, der später an unserer Universität lehrte, gehörte zu Ihren Doktoranden. Eine recht große Zahl Ihrer ehemaligen Studenten und Wissenschaftlichen Mitarbeiter nimmt oder nahm Positionen in Vorständen von Industrieunternehmen oder als Professoren an Hochschulen ein. Nach Ihrer Emeritierung konnten Sie sich Ihren fachlichen Hobbies und ausgedehnten Spaziergängen widmen. Bis vor kurzem haben Sie sich noch mit Fragen der Energieübertragung auf Leitungen befasst. Es wurde mir auch berichtet, dass Sie noch im Alter von fast 90 Jahren mit einem Rucksack auf dem Rücken auf Wanderwegen am Großen Belchen gesichtet wurden.

So können wir heute den 100. Geburtstag eines großen Ingenieurs und Hochschullehrers feiern, aber auch eines Kollegen und Mitmenschen, der durch seine bescheidene Art allseits sehr beliebt ist. Ihnen, lieber Herr Wolman, wünschen wir für die kommende Zeit viel Freude und Glück, und dass die Beschwerden des Alters erträglich bleiben mögen."

W. Kaiser
J. Speidel

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